Diese Woche startet der neue Blockbuster The Odyssey in den Kinos. Der Stoff ist vielverfilmt, seit der bärtige Kirk Douglas sich vor mehr als siebzig Jahren an den Mast hat binden lassen, um den Gesang der Sirenen zu hören.
Das aktuelle Werk ist der meisterwartete Fim des Jahres, so hört man, auch diesmal mit höchstem Aufwand gedreht.
Wenn man Drehorte in die Suchmaschine eingibt, sind die ersten fünf Lösungen Angebote für Reisen zu diesen Orten. Filmtourismus nennt man das. Es ist ein Markt, und wenn es gut läuft, entsteht eine Reisehysterie zu den schönsten Drehorten, die angesichts der historischen Filmvorlage dazu neigt, diese mit irgendwelchen Originalschauplätzen zu verwechseln, soweit es diese überhaupt gibt. Ideal für die Legendenbildung. Was die Odyssee selbst, die Geschichte der späten Heimkehr und die Abgründe ihrer Helden angeht, eine Katastrophe. Ich stelle mir das so vor, wenn wir wieder zu Hause sind:
Man trifft jemand, etwa die Nachbarin auf der Straße, beim Einkaufen oder im Club und kommt locker ins Gespräch, vielleicht wegen der dunklen Farbe, die die Haut unterwegs angenommen hat.
„Ach, Ihr wart auf der Odyssey?“ Und der Begriff endet in Gedanken neuerdings mit einem ‚y‘.
„Des war ja ein toller Film, gell. Und mir habe des für nächstes Jahr gleich gebucht.“
Ich werde etwas dämlich dreinschauen, weil ich nicht gleich verstehe, wie man einen Film mit historischer Vorlage buchen kann.
„Jaja, zwei Wochen ab Catania, alles inklusive, für nur dreitausend Euro. Mit einer Palastführung von dem Sohn von dem Odüsseus, (der Name kommt mir plötzlich vor, als hätte sich ein ü hinein verloren) dem Tom Holland.“
Ich werde dann noch verwirrter sein, weil ich nicht weiß, wer dieser Tom sein soll, aber auch das wird die Nachbarin mir anmerken.
„Des ist ja ein ganz sypathischer junger Mann.“
Ich werde zustimmend nicken.
„Mir haben ja bis vor kurzem gar ned gewusst, dass der Odüsseus auf der Insel Favignana war.“
Ja, das habe ich auch nicht gewusst. Das hat eigentlich niemand gewusst.
Last Updated on 18. Juli 2026 by KMF
Segler, Autor
