Wir freuen uns über unsere neue Decksverkleidung. Rundherum ein heller, freundlicher Stoff, Ton in Ton mit der neuen Segeltasche und dem ebenfalls neuen Dachhimmel des Steuerstandes. Und endlich wieder Fenster mit klarer Durchsicht.
Das alte Zeug kann weg. Ich will es an üblichen Müllplatz der Marina bringen, wo sich seit Tagen alles kreuz und quer über die blau-grün-gelben Tonnen hinweg stapelt. Müll auf Sizilien ist ein Problem. Die Abfälle werden oft nicht abgeholt, Deponien sind überlastet oder schließen. Der wachsende Tourismus wächst der Insel über den Kopf. Genau genommen hatte man den Müll auf der Insel noch nie im Griff. Der Verdacht, dass damit dunkle Geschäfte gemacht werden, drängt sich auf.
In unserer Marina ist das nicht anders. Der alte Müllverschlag ist komplett überfordert, das Zeug lagert ringsum oft wochenlang.
Bis gestern Nachmittag, als ich mit meinen Planen ankam und das Zeug auf den großen Haufen werfen wollte.
Einer der Marineros, ein gutmütiger Kerl wie ein Bär, braungebrannt, Sonnenbrille, dichtes, kurzes Haar, weißes Poloshirt, kurze Hose, Schlappen, kommt auf mich zu und winkt mit der Hand ab. No no, mister.
Ein Herr mit Hemd und Hose tritt hinzu, von der Verwaltung, nehme ich an. Er klärt mich auf italienisch auf, dass die neue Müllentsorgung nun in Betrieb sei, ein nagelneuer Verschlag aus raumhohen weißen Brettern samt Dach aus Draht, ein Käfig geradezu und vor allem abschließbar, mit einem ordentlichen Türbeschlag. Die Zugangstür zu den nach Müllarten getrennten Compartments informiert auf italienisch über die neue Anlage und ihre Öffnungszeiten. Früh morgens zwei Stunden und drei Stunden am Abend, personell besetzt. Ich halte das zunächst für einen Scherz, ein überflüssiger bürokratischer Hinweis, hebe aber angesichts meiner Planen, die ich immer noch unter dem Arm trage, fragend die Schultern.
Speziale, mixed, sagt der Brummbär- Marinero. Er verweigert die Müllannahme und verweist mich an eine Deponie, die ich ohne Auto nicht erreichen kann.
Non ho una machhina, sage ich und ziehe erneut fragend die Schultern hoch.
Der Brummmbär tritt verständnisvoll näher, und fragt mich ernsthaft, ob ich das Zeug nicht wieder mitnehmen, und auf hoher See entsorgen könne. Er macht dazu eine Bewegung, als würde er einen Eimer Schmutzwasser auf die Straße kippen.
Worauf ich ihn wohl entsetzt angeschaut habe, denn er lenkt sogleich ein.
Ok ok, not good for fish, eh?
Not good for fish, bekräftige ich und mit einem Nicken.
Der Brummbär lässt jetzt deutlich ein kurzes Brummen vernehmen und sagt auf englisch das sich wie italienisch anhört: Komm mit. Er weist mich an, meine Abfälle auf die Ladefläche ein Golfcaddie zu legen, sein Dienstfahrzeug in der Marina. Wir fahren damit zum Kontrollturm der Marina, der an zentraler Position der weitläufigen Anlage alle Pontoons überragt, die Bootstankstelle beherbergt, und auch das Hauptquartier der Marineros, samt Werkstatt und Ersatzteillager.
Er geht hinein und kommt mit drei dicken Plastiksäcken wieder, in die wir die vergammelten Planen stopfen.
Ich weiß nicht, was er vorhat. Fahren wir jetzt mit dem Golfcaddie zur Mülldeponie, irgendwo am Fuße des Ätna, wo alles abgeladen wird, bis es unter ausströmender Lava begraben wird? Möglich wär’s, der Vulkan aktiv. Meine Frau und ich sehen das vom Hafen aus. Fast täglich Aschewolken und manchmal frische Spuren von Lava im Schnee.
Der Brummbär stoppt sein Gefährt an der neuen Müllentsorung der Marina. Er gibt mir zu verstehen, dass ich ihm folgen soll, nimmt eine der Tüten von der Ladefläche, ich zwei. Er führt mich zum Verschlag mit Plastikabfällen, und stopft die Tüte in die neu bereitgestellte noch leere gelbe Tonne für Plastikmüll. Ich tue es ihm nach, und schaue wohl erneut fragend.
Er grinst mich freundlich an und sagt: Now, it’s plastic.

Last Updated on 30. Mai 2026 by KMF

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