Schon vor Sardinien haben wir gelernt, dass die Italiener mit dem Boot nicht im größtmöglichen Abstand zwischen zwei anderen Booten hindurchfahren, sondern so dicht wie möglich an einem der beiden Boote vorbei, um dir auf den Tisch zu schauen und freundlich zu grüßen.
Mache Yachten errichten deshalb durch eine besonders lange Dinghyleine mit Minibojen eine Schutzzone, um einigermaßen Ruhe zu haben.
Letzte Woche ankerten wir allein in einer einsamen Bucht. Irgendwann kam ein Ausflugsboot mit einer sechsköpfigen Familie darauf, machte auf ihrem Weg einen Schlenker, und glitt langdam mit nur 2m Abstand an unserem Heck vorbei.  Mehrere Hände gingen zum Gruß nach oben, als das Boot uns passierte, bevor der Mann am Steuer den Hebel wieder nach vorne legte, und seine Fahrt zügig fortsetzte.
Neulich waren wir zum Essen aus. Meist sind wir um 19 Uhr die ersten Gäste in den Restuarants. Italiener essen nicht vor neun. Nach einer Weile kam ein Pärchen in das große Restaurant mit bestilmmt vierzig Tischen. Und was tatsen sie? Sie gingen zielstrebig auf uns zu, setzten sich an den Tisch, der unserem am nächsten stand und grüßten. Es machte den Eindruck, als würden sie uns als nächstes fragen, ob wir unsere Tische zusammenschieben wollen!
Und nur drei Tage später legten sich drei Touristenboot in einer Bucht direkt um uns herum. Einer mir losem Anker, bis auf einen Meter an unserer Bordwand. Die meisten dieser Bootsfahrer haben keine seemännische Ausbildung und lassen einfach ihren Anker plumpsen, statt ihn mit einigen Metern Kette kräftig in den Sand einzufahren. Mit dem Ergebnis, dass sie im Wind übers Wasser treiben wie ein loses Feigenblatt, das ihre Unschuld entblößt.
Blöd für den Schwimmer, der Mühe hat, wieder an Bord zu kommen
Blöd auch für die Yacht, die fest vor Anker liegt.
„Hey Ragazzi, please, your anchor is drifting“ ruf ich dem Steuermann zu, der seine acht Touristen gerade mit Hochprozentigem versorgt, und bekomme zur Antwort „No problem, it’s a rubber boat.“
Ein Gummiboot mit Aluboden, Ankerkasten und Befestigungsring am Bug allerdings und es dauert keine fünf Minuten, da knallt der Stronzo bei einer Welle mit seinem Bug gegen unser frisch repariertes Heck! KLONK. Die Köpfe der Partymeute gehen in Richtung unseres Bootes. Ich springe auf und beginne zu fluchen. Doch der Kerl winkt ab. Er könne  das gar nicht gewesen sein. My boat is all rubber!, ruft er mir zu, schmeisst seine 300PS an und macht sich aus dem Staub.

Last Updated on 11. July 2026 by KMF

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