Qualifikation

Qualifikation

Wir kaufen uns ein Boot und fahren los. Wir sind noch nie zuvor gesegelt. Was wir wissen müssen, lernen wir unterwegs – so oder ähnlich liest man das immer wieder, sieht faszinierende Beiträge auf Youtube, und man hat fast den Eindruck: Was ist schon dabei, die Welt zu umsegeln, das ist auch nicht anders als Autofahren!

Das kann man so machen, muss man aber nicht. Würdet ihr in ein Flugzeug steigen, an dem Euch der Pilot in Badeshorts begrüßt und auf Rückfrage antwortet: Ich habe mir das Fliegen letzte Woche schnell selbst beigebracht. Steigt ein, den Rest lerne ich unterwegs …

Ein Boot

Ein Boot

La Rochelle. Im 17. Jh ein sagenumwobenes Piratennest. Richelieu lieferte sich mit den Briten Kämpfe um die wichtige Hafenstadt. Heute finden sich hier zahlreiche Bootswerften, und wie es der Zufall will, bekommen wir hier ein Boot angeboten. Leider sind wir zu spät. Über das Wochenende hat ein anderer Interessent den Zuschlag bekommen.

Wir wissen genau, was wir wollen. Doch der Bootmarkt dafür ist klein und international. Insgesamt sinder derzeit gerade mal 14 Lucia 40 auf dem Markt, davon nur fünf in der Owners Version, die niemals in der Charter gelaufen sind. Außerdem scheint das Angebot sich auf wenige Wochen im Jahr zu beschränken. Ende September, zum Saisonende, stellen alle Verkaufswilligen ihre Schiffe ins Schaufenster. Wenn sich bis zum Frühjahr kein Käufer findet, fährt man nochmal eine Saison. Spetember/ Oktober ist Boot-kauf-zeit.

Anfang einer Geschichte

Anfang einer Geschichte

‚Und Jetzt?‘, wollen die Leute von uns wissen, wenn wir ihnen begegnen. Was tut ihr jetzt? Sie scheinen davon auszugehen, dass einen das Ende der Erwerbsarbeit in ein Chaos stürze, das nur schwer beherrschbar sei, dass man sich als der, der man immer war, verliere und fortan ohne Orientierung durchs Leben gehe. Als wäre Odysseus gefragt worden ‚Und jetzt?‘, nachdem er das hölzerne Pferd listig ersonnen hatte, nachdem er also seinen Job als Kriegsheld los war.

Odysseus hätte die Frage ‚Und jetzt?‘ nicht verstanden. Er tat, was er immer tat. Er stellte sich den Aufgaben, die ihm das Leben auftrug. Er erkannte seine Herausforderungen und ersann findige Lösungen für alle Probleme entlang des Weges. Ob es den Göttern passte oder nicht. Vor allem Poseidon, den hatte er schon einmal ausgetrickst. Das brachte ihm nicht nur Ärger, sondern reichlich Respekt und Anerkennung. Auch von den Göttern, die am Ende beschlossen, sich seiner Heimkehr nicht länger in den Weg zu stellen. In jedem von uns schlummert ein Odysseus. Jeder von uns kann das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten stärken, das Feuer in sich am Lodern halten. Jeder.
Freilich geht es leichter mit Penelope an der Seite. Ich habe mir vorgenommen, es noch besser zu machen als der antike Held. Ich nehme meine Penelope mit auf den Weg. Sie ist eine wunderbare Frau. Sie trägt mich, sie ist mir Muse, sie steht mir in der Not bei. Und ich ihr. So gut ich kann. Gemeinsam begeben wir uns auf die Spuren des gottgleichen Helden, gemeinsam zeichnen wir seinen Weg nach, widerstehen den Sirenen, besiegen den Zyklopen, lassen und becircen und uns von Calypso gefangen nehmen. Es wird nur eine Nussschale sein, mit der wir durch Poseidons Reich schippern, aber am Ende werden wir heimkehren.

de_DEGerman